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Wie kann man einen Vulkan bauen?   (von Verena Ehr)
Verena Ehr

Aus dem Forscherlabor des Gemeindekindergartens „Kindernest Nord-West“ in Pfedelbach von Verena Ehr:

Das Ziel ist, den Ausbruch eines Vulkans durch das entstandene Gas (Kohlenstoffdioxid) zu demonstrieren. Dadurch sollen die Kinder einerseits mit dem Naturphänomen „Vulkan“ vertraut gemacht werden. Ebenso soll bewusst werden, dass das Gas selbst hergestellt werden kann – wenn auch nicht sichtbar.

Wir trafen uns im Turnraum und setzten und auf den Boden. Ich fragte die Kinder, ob sie noch wissen, was wir heute vorhaben. Nach einem kurzen Gespräch, bei dem die Kinder mir erzählten, was sie noch über die Entstehung eines Vulkans wussten, gingen wir zurück in den Gruppenraum, wo ich schon die Utensilien für das Experiment aufgebaut hatte.

Die Kinder konnten mir die Dinge zeigen und benennen; daran riechen und sie anfassen. Das Mehl war in einer großen Schale, das Backpulver in seiner Verpackung. Da durch Staunen und Neugierde ein besonders guter Zugang zu neuen Phänomenen eröffnet wird, wollte ich mit dem Überraschungseffekt des Experiments beginnen. Zunächst habe ich den Versuch einmal vorgeführt und wartete die Reaktionen der Kinder ab. Ich hatte das Backpulver schon vorbereitet und goss Essig darauf. Sofort bildete sich weißer Schaum.

Frage an die Kinder: „Was glaubt ihr, was ich gerade gemacht habe?“ Kinder: „Du hast Mehl und Essig gemischt.“ Ich forderte die Kinder auf, es selbst auszuprobieren. Eines der Kinder versuchte es mit Essig und Mehl und es passierte nichts. Auf die Frage, ob das jetzt auch geblubbert hat, antworteten die Kinder verwundert mit „Nein“. Sie bemerkten schnell, dass eine falsche Zutat verwendet worden war und wollten es direkt noch einmal – nun allerdings mit Backpulver – versuchen. Diesmal funktionierte alles.

Ich erklärte den Kindern, dass wir soeben selbst das Gas hergestellt haben,
das es auch in Vulkanen gibt. Es hat den Namen „Kohlenstoffdioxid“. Um es herzustellen brauchen wir zwei Dinge. Welche sind das?“ Antwort der Kinder: „Essig und Backpulver“.

Ich erklärte den Kindern, dass Backpulver aus einer chemischen Verbindung besteht, die Natriumhydrogencarbonat heißt. „Wenn man zu solchen Carbonaten eine Säure – in unserem Fall den Essig – dazugibt, entsteht das Gas Kohlenstoffdioxid, das dann sprudelnd entweicht.“ Um kurz auf die Säure einzugehen fragte ich die Kinder, wie Essig schmeckt. Die Antwort war: „Sauer“. Mit dieser Begründung erkläre ich ihnen den Ursprung des Begriffes „Säure“.

Nachdem die Kinder nun erfahren hatten, wie das Gas hergestellt wird, stellten sie fest, dass das Magma im Vulkan doch rot sei. Ich zeigte den Kindern nun, wofür die Lebensmittelfarbe gebraucht wurde, indem ein Kind den Essig mit der roten Farbe mischen durfte und so eine dunkelrote Flüssigkeit entstand. Um später genügend Lava zu haben, mischten wir Backpulver mit Mehl und füllten dies mit einem Trichter in die Plastikflasche. Danach wurde der Sand mit Wasser gemischt, um ihn kegelförmig um die Flasche zu modellieren. Wir stellten die Flasche auf ein Tablett. Die Kinder bauten mit dem Sand den eigentlichen Vulkan um die Flasche herum. Die Flaschenöffnung wurde frei gelassen. Nun wurde der gefärbte Essig mit Hilfe des Trichters auch in die Flasche gegossen. Nach Entfernen des Trichters warteten wir gespannt, was nun passieren würde. Die Kinder beobachteten den Sandberg.

Man hörte ein leises Zischen und Blubbern. Es bildete sich roter Schaum, der als blasige Masse aus der Flasche stieg und langsam den Berg hinablief. Während die Kinder diesen Vorgang beobachteten wurde es ganz still im Raum und als die ersten roten Bläschen am Flaschenhals zu sehen waren, spürte man die Faszination und Freude der Kinder über dieses Spektakel.

Danach fragte ich die Kinder, was genau sie nun beobachtet hatten; was hier eben passiert sei. Somit wollte ich das Gesehene und vorher Erfahrene noch einmal in den Kindern festigen. Das Experiment wurde im Anschluss noch zweimal durchgeführt. Einen dieser Vulkane haben wir danach im Gruppenraum zur Anschauung und Erinnerung behalten. Mit großem Interesse und Freude zeigten die Kinder ihren Eltern unseren Vulkan. Sie erzählten begeistert von unserem Versuch, ein Gas selbst herzustellen und einen Vulkan zum Ausbruch zu bringen.

Fachliche Deutung

Backpulver besteht aus der chemischen Verbindung Natriumhydrogencarbonat.

Carbonate haben die Eigenschaft bei Zugabe von Säuren (hier der Essig) das Gas Kohlenstoffdioxid freizusetzen, das sprudelnd entweicht. Da das entstandene Gas Platz / Raum benötigt, wird natürlich auch die Flüssigkeit verdrängt und läuft lava-ähnlich den Sandberg hinab.

Hinweis: Wichtig ist eine Plastikflasche mit flachen/ebenem Boden. Der Boden darf keine Einwölbung haben, da sich das Pulver darin nicht komplett auflöst und somit kein Ausbruch des Vulkans stattfindet.

Reflexion

In meiner Planung wiederholt sich vieles. Diese Wiederholungen waren ein wichtiger Bestandteil in der Durchführung des Projektes. So wurden besprochene Punkte immer wieder zurück ins Gedächtnis der Kinder gerufen und somit in ihrem Wissen gefestigt.

Beim Experiment selbst hatten die Kinder große Vorfreude und waren schon vor Beginn sehr gespannt auf das kommende Erlebnis. Sie waren sehr beeindruckt als ich zwei Stoffe mischte und sie mit eigenen Augen sehen konnten, dass etwas passiert. Das Selber-Ausprobieren bereitete ihnen großen Spaß, obwohl beim ersten Versuch der Kinder ja nichts passierte. Das Erfolgserlebnis hinterher war dadurch umso größer.

Da es eine große Gruppe war, habe ich die Kinder aufgeteilt, so dass den ersten Vulkan 6 Kinder zusammen bauen konnten; ebenso den zweiten und dritten Vulkan. Alle Kinder waren somit aktiv, wobei es natürlich auch Wartezeiten gab. Durch die Faszination am Thema wurden diese jedoch weder von den Kindern, noch von mir als solche wahrgenommen.

Die Kinder haben sehr schnell begriffen, dass wir es nicht mit Zauberei zu tun hatten, sondern es sich wirklich um ein chemisches Experiment handelte.
Sie waren sehr stolz auf das, was sie gelernt und erlebt hatten. Die meisten Kinder konnten ihren Eltern am Vulkan erklären, was dort geschehen war. Sie erzählten, dass sie selbst ein Gas hergestellt hatten; sowie aus welchen beiden Stoffen sie das getan hatten.

Vereinzelt gab es auch Kinder, für die das Thema einfach noch zu schwierig war. Ich denke, das lag aber daran, dass dies die jüngeren Kinder der Gruppe waren.

Ich war verwundert, wie toll die Kinder alles aufgenommen und verstanden haben; dass sie ihr Wissen auch Tage später noch wiedergeben konnten. In der folgenden Zeit beschäftigten sie sich immer wieder mit dem Thema: Es wurden öfter noch Vulkane gemalt; gebastelt; Bücher angeschaut oder einfach nur darüber gesprochen. Ebenso schauten sich die Kinder unseren Vulkan im Gruppenraum immer wieder mit strahlenden Augen aufs Neue an.
Es hat mich sehr gefreut, dass auch mehrere Eltern auf mich zukamen um nach dem genauen Versuchsablauf zu fragen. Die Begeisterung der Kinder hatte sowohl Eltern, als auch Geschwisterkinder angesteckt und die Eltern wollten auch zu Hause unser Experiment durchführen.

Allgemein bin ich sehr erfreut darüber, was die Kinder letztendlich durch das Geschehene gelernt und aus dem Experiment mitgenommen haben. Es war ein sehr schönes Projekt und es hat mir selbst sehr viel Spaß gemacht, das Thema zusammen mit den Kindern zu erarbeiten. So konnte auch ich noch etwas dazulernen!

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